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FORTBILDUNGSCURRICULUM PSYCHOONKOLOGIE
Ziele und Inhalte des Curriculums:
Ziele des Curriculums
Die Vermittlung von Kompetenz für eine psychoonkologische Grundversorgung
stützt
sich in erster Linie auf die Entwicklung einer differenzierten und reflektierten
Haltung
des Helfers zum Menschen, zu Krankheit und seiner Rolle als Betreuer.
1. Menschenbild
Der jeweilige Gesamtzustand eines Menschen wird als Ergebnis einer (unbewussten)
intelligenten Selbstregulation gesehen. Gesundheit bzw. Heilsein aus ganzheitlicher
Sicht wird als bestmöglicher Kompromiss zwischen allen Interessen
gesehen, der sich
aus den ständigen Wechselwirkungen und dem Zusammenspiel aller körperlichen,
psychischen,
sozialen und spirituellen Faktoren im Leben des Patienten ergibt. Das
Hauptaugenmerk
liegt in diesem Sinn auf der Gesamtlebensqualität des Patienten und
grenzt
sich klar gegen einen Gesundheitsbegriff im Sinne von Freisein von körperlichen
Symptomen ab. Autonomie und Individualität des Patienten stehen im
Vordergrund.
2. Systemische Sicht von Krebs als multifaktorielles Geschehen und
als Kommunikationsproblem
Krebs wird als Kommunikationsproblem auf allen Ebenen gesehen:
- Auf der körperlichen Ebene als Verständigungsproblem der Zellen
untereinander,
- intrapsychisch als dysfunktionale Konfliktlösung, als mangelnde
Verständigung und Kooperation widerstrebender Anteile.
Die Abwehrstruktur des Patienten bewirkt, dass bestimmte Anteile nicht
ausreichend gelebt werden können und zugunsten
anderer zurückgestellt werden.
- Sozial - sowohl im Vorfeld der Erkrankung als auch im Umgang damit:
Kommunikationsprobleme zwischen Patient und Umfeld, Patient und Angehörigen,
Patient und Betreuer, im Dreieck Betreuer, Patient und Angehörige
sowie innerhalb des Betreuerteams. Diese Kommunikationsstörungen
stehen in zirkulären Wechselwirkungen miteinander.
- Spirituell: der Patient verliert den Kontakt zu seinen eigenen Bestimmungen
und leidet in vielen Fällen im Vorfeld der Erkrankung - auch bei
nach außen hin guter Anpassung - an belastenden Gefühlen von
Leere, Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit.
3. Haltung des Betreuers/der Betreuerin
- Der Betreuer versteht sich als Teil des Behandlungs- und damit des Gesamtsystems
und strebt ein Zusammenwirken aller Beteiligten als kooperatives Miteinander
an.
Die Kommunikation soll auf allen Ebenen gefördert werden.
- Der Betreuungsansatz ist lösungs- und ressourcenorientiert.
- Der Betreuer akzeptiert seine eigenen Gefühle und Grenzen im Sinne
von Echtheit.
Sein Verhalten steht in Übereinstimmung mit seinem Erleben, seinen
Meinungen und Gefühlen.
Der Betreuer bringt sich persönlich (nicht privat!) ein, er macht
sich für den Patienten begreifbar. Das einfühlende Verstehen
und damit die Tiefe der Beziehung ist im Einklang mit der inneren Bereitschaft
des Betreuers.
- Der Betreuer achtet die Fähigkeit und das Recht auf Selbstlenkung
seines Patienten.
Die Individualität des Patienten und sein von ihm gewählter
Weg werden unterstützt.
Diese unbedingte Wertschätzung bedeutet auch, dem Patienten die Auseinandersetzung
mit schwierigen Inhalten zuzutrauen und zuzumuten.
- Die Lebensqualität sowohl des Patienten als auch des Betreuers
stehen gleichermaßen im Vordergrund.
- Die Reflexion der persönlichen Erfahrungen, Motivationen und Perspektiven
sowie deren Wechselwirkung mit den Anforderungen der Betreuungssituation
wird als Teil der Qualitätssicherung gesehen.
Inhalte des Curriculums
Einführungsseminar: Kommunikation und Gesprächsführung
- Grundsätzliches zur Betreuer-Patient-Beziehung und zur Haltung
des Betreuers
- Kommunikationstheorien von Watzlawick und Schulz von Thun
- Erarbeitung von Prinzipien wie Aktives Zuhören, Einfühlung
und Abgrenzung
- Elemente aus dem Neurolinguistischen Programmieren, lösungsorientierte
Gesprächsführung
Basisseminare
1. Krebsentstehung und psychoonkologische Therapiekonzepte
- Bio-psycho-soziales Modell von Krankheit
und Gesundheit
- Psychosomatische Modelle (Alexander, Schur, Mitscherlich, Simonton,
Bahnson, LeShan)
- Psychoneuroimmunologie
- Psychoonkologische Konzepte: Menschenbild und Arbeitshypothesen, Hemisphärentheorie,
imaginative Verfahren, Konzept von LeShan
- Methodenbausteine I: Progressive Muskelrelaxation, Elemente aus der
Hypnotherapie, Entspannungsinduktionen, geleitete Phantasien
2. Aufklärung und Krankheitsverarbeitung
- Psychosoziale Grundversorgung: Problemschwerpunkte in verschiedenen
Krankheitsphasen
- Krankheitsverarbeitung: Bedeutung verschiedener Bewältigungsstrategien
und Unterstützungsmöglichkeiten
- Methodenbausteine II: Autogenes Training, Meditation
3. Selbstverständnis, Ressourcen und Motivation der BetreuerInnen
- Persönliche Beziehung zum Thema Krebs
- Individuelle Ressourcen
- Einfluss der professionellen Arbeit auf das persönliche Leben der
Helfer
- Burn-Out und Stressbewältigung
- Berufszufriedenheit Lebenszufriedenheit
4. Krebs in Familie und Team
- Grundlagen systemischer Sichtweisen
- Familiäre Bewältigungsstrategien
- Wechselwirkungen zwischen BetreuerInnensystem und Familiensystem
- Arbeit mit Angehörigen
5. Sterbe- und Trauerbegleitung
- Prinzipien der Sterbebegleitung
- Reflexionen der eigenen Einstellungen und deren Auswirkungen
- Patientenängste eigene Ängste
- Symbolsprache bei Sterbenden
- Sterben in Krankenhaus und Hospiz
- Patientenverfügung, -testament
- Trauer und Trauerbegleitung
6. Integration
- Rückblick auf die Inhalte und Methoden mit Versuch einer Synthese
zur Bildung individueller Arbeitshypothesen
- Herstellung eines Bezugs zur eigenen Arbeitssituation und Betroffenheit
- Integration und Vertiefung des Gelernten in Selbsterfahrung: Lebenspanorama,
lösungsorientierte Zielsetzung.
www.netzwerkkrebs.at |
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